Mala-Wissen
Warum hat eine Mala 108 Perlen?
Niemand weiß es sicher. Aber es gibt Spuren: in alten Texten, am Himmel und in den Schlägen einer Tempelglocke.
Die Grundlagen
Eine Kette, die beim Zählen hilft
Eine Mala ist eine traditionelle Gebets- und Meditationskette, die vor allem im Hinduismus und Buddhismus verwendet wird. Das Sanskrit-Wort mālā bedeutet Girlande oder Kranz.
Bei der Meditation lässt man die Perlen einzeln durch die Finger gleiten, meist mit dem Daumen über den Mittelfinger im Uhrzeigersinn. Andere Traditionen sehen andere Handtechniken vor. Jede Perle steht beispielsweise für die Wiederholung eines Mantras. Dient die Kette dem Rezitieren, heißt sie Japamala; japa bedeutet Wiederholung.
So behält man den Überblick, ohne mitzählen zu müssen.
Herkunft
Eine Kette ohne bekannten Anfang
Perlen zum Zählen gab es in vielen alten Kulturen. Was sich über die Mala belegen lässt, passt in wenige Zeilen.
Ursprung offen
Wer die Mala erfunden hat, ist nicht geklärt. Selbst ob Buddhisten, Brahmanen, Jainas oder eine andere Gruppe sie zuerst benutzten, weiß man nicht. Frühe buddhistische Texte erwähnen sie nicht.
4. bis 6. Jahrhundert
Das älteste klar erkennbare Bild einer Mala beim Rezitieren zeigt eine chinesische Bodhisattva-Figur aus der Zeit der Nördlichen Wei-Dynastie.
Der erste Text
Als frühester Text über das Rezitieren mit einer Mala gilt die Mu Huanzi Jing, in chinesischer Übersetzung überliefert. Ein König fragt darin den Buddha nach einer einfachen Übung. Der Buddha rät zu einer Kette aus Samenkörnern. Eine Million Rezitationen würden die „108 Leidenschaften“ beenden.
Ming- und Qing-Zeit
In China wurde die Mala später auch zum Statussymbol und zum Modeaccessoire, nicht nur zum religiösen Gegenstand.
Weltweit verwandt
Auch das Christentum (Rosenkranz) und der Islam (Misbaha, oft mit 33 oder 99 Perlen) kennen Ketten zum Zählen von Gebeten. Die Zahl 108 ist dagegen typisch für die Mala.
Die Zahl
Warum ausgerechnet 108?
In hinduistischen und buddhistischen Traditionen gilt 108 als bedeutungsvolle Zahl. Sie taucht in spirituellen Texten, Gebetspraktiken, Tempelritualen und verschiedenen Zahlensystemen auf.
Eine einzige, historisch eindeutig belegte Erklärung gibt es nicht. Stattdessen gibt es viele Spuren, und genau das macht die Zahl so spannend.
Aus den Traditionen
Was hinter der 108 stecken könnte
Sechs Deutungen, die sich in Texten und Bräuchen wiederfinden. Keine davon ist die einzig richtige.
108 Namen
In verschiedenen hinduistischen Traditionen werden Gottheiten mit 108 Namen verehrt und angerufen.
108 Wiederholungen
Viele Mantras werden traditionell 108-mal rezitiert. Die Perlen der Mala zählen die Wiederholungen mit.
108 Verblendungen
In buddhistischen Traditionen gibt es verschiedene Aufzählungen von 108 geistigen Verblendungen oder Leidenschaften (Kleshas). Eine davon rechnet so: 6 Sinne × 3 Gefühlsarten (angenehm, unangenehm, neutral) × 2 (rein, unrein) × 3 Zeiten (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) = 108.
108 Bände
Im Buddhismus stehen die 108 Perlen nach einer Deutung für die 108 Bände der gesammelten Lehren Buddhas.
108 Texte und Orte
Eine traditionelle Zählung kennt 108 Upanishaden, philosophische Texte des Hinduismus. Im Vishnuismus gelten 108 Tempel als besonders heilige Stätten, die Divya Desams.
108 Glockenschläge
In vielen buddhistischen Tempeln Japans wird die Glocke in der Silvesternacht 108-mal angeschlagen (Joya no Kane). Manche Tempel beginnen schon vor Mitternacht und setzen den letzten Schlag ins neue Jahr. Auch hier gelten die Verblendungen als eine mögliche Erklärung.
Aus Zahlen und Himmel
Wenn man nachrechnet
Auch ohne Glauben ist 108 eine auffällige Zahl. Ob frühe Beobachter das so gemeint haben, ist nicht überliefert.
Ein Zahlenspiel
108 = 1¹ × 2² × 3³. Außerdem ist 108 = 12 × 9. In der indischen Astrologie zählt man 12 Häuser und 9 Himmelskörper (Navagraha).
Die Sonne
Die Sonne ist etwa 109-mal so breit wie die Erde. Der durchschnittliche Abstand Erde–Sonne beträgt rund 107,5 Sonnendurchmesser.
Der Mond
Der durchschnittliche Abstand Erde–Mond entspricht rund 110 Monddurchmessern. Die Abstände schwanken je nach Bahnstelle, deshalb sind das gerundete Mittelwerte und kein Beweis.
Die Guru-Perle
Die Perle, die man nicht überquert
Viele Malas haben zusätzlich zu den 108 Perlen eine größere Perle, die Guru-Perle. Sie heißt auch Sumeru- oder Bindu-Perle und wird meist nicht mitgezählt.
Wer mehrere Runden zählt, greift nicht über sie hinweg. Man dreht die Kette um, und die zuletzt benutzte Perle wird zur ersten der nächsten Runde.
Heute
Du musst nicht meditieren, um eine Mala zu schätzen
Heute werden Malas auch als persönliche Schmuckstücke getragen oder selbst gestaltet.
Beim Knüpfen entsteht Perle für Perle etwas Eigenes. Du wählst Materialien und Farben bewusst aus und nimmst dir Zeit für den kreativen Prozess.
Ob du deine Mala anschließend zur Meditation verwendest oder einfach gerne trägst, entscheidest du selbst.
Typologie
Die vier Mala-Layouts
Allen Malas gemeinsam sind 108 Grundperlen. Je nach Typ wird die Kette durch Marker-Perlen unterbrochen, die sich in Form, Farbe oder Material unterscheiden.
Buddhistische Mala
108 fortlaufende Perlen ohne Marker.
Tibetische Mala
Drei Marker im Abstand von je 27 Perlen. Zusammen mit der Guru-Perle teilen sie die Kette in vier Abschnitte zu je 27 Perlen.
Zen Mala
Marker nach 7, 14 und 33 Perlen, auf jeder Seite.
Mantra Mala
Drei Marker: nach 21 Perlen von beiden Enden und in der Mitte.
Gut zu wissen
Häufige Fragen zur Mala
Welche Erklärung für die 108 stimmt?
Keine ist historisch bewiesen. Die Zahl ist über Jahrhunderte gleich geblieben, die Begründungen unterscheiden sich je nach Tradition.
Muss eine Mala 108 Perlen haben?
Nein. Verbreitet sind auch Malas mit 54 oder 27 Perlen, also der Hälfte oder einem Viertel von 108. Kleinere Malas werden oft am Handgelenk getragen.
Wie wird eine Mala getragen?
Entweder um den Hals oder um das Handgelenk gewickelt.
Was ist die Guru-Perle?
Die zusätzliche, größere Perle, in der das Perlenband zusammenläuft. Sie heißt auch Sumeru- oder Bindu-Perle.
Brauche ich Erfahrung, um eine Mala zu knüpfen?
Nein. Die DIY Mala-Sets enthalten die passenden Materialien und eine Anleitung, auch für alle, die noch nie eine Mala gemacht haben. Zur Knüpfanleitung →
Wie lange dauert das Knüpfen?
Die erste Mala braucht zwei bis drei Stunden.
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Eine Mala kennt keine Eile. Du wählst Perlen, Farben und Anhänger, fädelst sie auf und knüpfst die Kette selbst. Die erste Mala dauert zwei bis drei Stunden, Vorkenntnisse brauchst du nicht.
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